«Aufgeweckte Kunst-Geschichten» – Menschen mit Demenz auf Entdeckungsreise im Museum

Ein Interventionsprojekt des Zentrums für Gerontologie in Kooperation mit Kunstmuseen und Pflegeeinrichtungen

«Schläft ein Lied in allen Dingen die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.» Joseph Freiherr von Eichendorff (1835)

Die Idee

Das Projekt animiert Menschen mit Demenz anhand mehrdeutiger Bilder zum kreativen Geschichtenerfinden. In Gang gebracht wird der Prozess durch offene, impulsgebende Fragen der Moderatorin. Das Besondere daran ist einerseits das Gruppensetting – Durchführungsort ist das Museum – und andererseits die Möglichkeit, in den Teilnehmenden einen kreativen Prozess herbeizuführen, ohne dass man deren Biografie zu kennen braucht. Dieser Vorgang lässt sich offensichtlich weder durch zunehmende Gedächtniseinbußen noch durch Schwierigkeiten bei der Wortfindung aufhalten. Ganz im Gegenteil, die noch vorhandenen Ressourcen der Teilnehmenden werden dabei bewusst aktiviert.

«Mit dem Projekt «Aufgeweckte Kunst-Geschichten» werden neue Wege gesucht, entwickelt und systematisch evaluiert, um Menschen aller Altersstufen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.» Prof. Dr. Mike Martin

Die regelmäßigen, fachkundig begleiteten Museumsbesuche in einem geschützten Rahmen lösen bei den Erkrankten intellektuelle Stimulation und soziale Interaktionen aus. Zudem ermöglichen sie ihnen, aber auch den teilnehmenden Angehörigen und den professionellen Begleitpersonen sowie den anwesenden frei Mitarbeitenden, gemeinsam positive Erfahrungen von emotionaler Nachhaltigkeit zu machen. Die verbliebenen Kompetenzen und Ressourcen der Menschen mit Demenz werden dadurch gefördert, ihr kreatives Potential zu Tage gebracht und angeregt, ihre Freude am eigenen Tun erweckt und verstärkt.

Die spontanen Äußerungen der Teilnehmer hält die anwesende Protokollantin während der Sessionen wortgetreu schriftlich fest und verdichtet sie zeitgleich zu einer Geschichte. Als externe Gedächtnisstütze werden die erfundenen Textbeiträge während der Session immer wieder vorgelesen. In Form eines gedruckten Textes findet die Geschichte später den Weg wieder zurück zu ihren Schöpfern. 

Normalität leben

Das Projekt «Aufgeweckte Kunst-Geschichten» vereint alles, was man sich von einer sozialen Intervention im Bereich der Demenz wünscht: Es leistet einen Beitrag zur Integration der Teilnehmenden ins tägliche Leben, stärkt sie und ihre Angehörigen gleichermaßen und regt die Öffentlichkeit mittels realer Erfahrungen zur Revision ihres defizitlastigen Bildes dieser Erkrankung an. Überdies bietet das Projekt frei Mitarbeitenden die Möglichkeit eines lustvollen, informativen sozialen Engagements innerhalb einer kulturellen Einrichtung.

Wissenschaftlich bleiben

Das gesamte Projekt mit 49 Veranstaltungen im Zeitraum von 2012 bis 2015 wird wissenschaftlich begleitet und untersucht. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die Wirksamkeit solcher Veranstaltungen und werden anlässlich des Symposiums „Menschen mit Demenz auf Entdeckungsreise im Museum“ – welches am 23. Februar 2015 im Vortragssaal des Kunsthauses Zürich stattfindet – vorgestellt.

Symposium «Menschen mit Demenz auf Entdeckungsreise im Museum
– faszinierende Erfahrungen und Perspektiven»

Das Zentrum für Gerontologie und der Universitäre Forschungsschwerpunkt «Dynamik gesunden Alterns» der Universität Zürich veranstaltete am 23. Februar 2015 ein Symposium «Menschen mit Demenz auf Entdeckungsreise im Museum – faszinierende Erfahrungen und Perspektiven» im Zürcher Kunsthaus.

Eine Buchpublikation und ein Dokumentarfilm zum Projekt «Aufgeweckte Kunst-Geschichten» sowie studentische Arbeiten der Zürcher Hochschule der Künste zum Projekt wurden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Weitere Informationen…

  


Laufzeit des Projektes: 6/2012 – 12/2015

Kontakt:
Dr. Sandra Oppikofer (Gesamtleitung), sandra.oppikofer@zfg.uzh.ch
Prof. Dr. Karin Wilkening (wissenschaftliche Leitung), karin.wilkening@gmail.com


Projekt Sponsoren/Gönner:

 

 

    


Buch Sponsoren/Gönner:

 

Grütli Stiftung
           Paulie und Fridolin Düblin Stiftung