Nachbarschaftshilfe und -kontakte

Befragungsstudie zur Nachbarschaftshilfe

Die gerontologische Forschung hat immer wieder gezeigt, dass eine gute Nachbarschaft gerade im Alter eine wichtige Ressource ist und zu einem besseren Wohlbefinden im Alter beiträgt. Durch informelle Kontaktnetzwerke können personale und soziale Ressourcen einen grossen Anteil an Hilfeleistungen bei alltagspraktischen Aufgaben bieten. Die Nachbarschaftshilfe kann daher als ein nicht zu vernachlässigendes Instrument bei der Versorgungssicherung im Alter genannt werden.

Auch konnte gezeigt werden, dass Personen, welche Nachbarschaftshilfe leisten und ihre Nachbarschaft als „hilfsbereit“ einschätzen, meist allgemein zufriedener mit ihrer Wohnumgebung sind (vgl. Seifert & Schelling 2012). Gerade der Zusammenhang zwischen Nachbarschaftshilfe (und Vernetzung im Quartier) und der Zufriedenheit mit der Wohnumgebung lässt vermuten, dass Hilfeleistung wie die informelle Nachbarschaftshilfe einen wichtigen sozialen Wert im Quartier darstellt. Umso mehr ergibt sich die Frage, wie diese spezielle Hilfeform stärker in die allgemeinen Versorgungsstrukturen im Alter integriert und gefördert werden könnte.

Hinzukommend zu den vorwiegend positiven Zusammenhängen zwischen Nachbarschaftshilfe und Wohlbefinden beim Wohnen kann der Aspekt der sozialen Achtsamkeit betont werden. Wenn das nachbarschaftliche Umfeld gegenseitig auf sich achtet und vielleicht auch den Hilfebedarf bei älteren MitbewohnerInnen wahrnimmt und anspricht, kann dies zu einer Absicherung im Alter beitragen.

Aber wie sehen diese informellen – meist kaum objektiv messbaren - Nachbarschaftshilfen aus und welchen Einfluss haben sie auf die Alltagsbewältigung im Alter? In diesem Fragekontext eingebettet initiierte die Age Stiftung 2013 eine Beteiligung an der GfS-Omnibus-Befragung bei Personen ab 50 Jahren, welche in der Deutschschweiz telefonisch durchgeführt wurde. Es konnten 6 Fragen zur Wohnsituation und Nachbarschaftshilfe in die Omnibus-Befragung integriert werden. Bei 707 Personen konnten Informationen zu diesem Themengebiet erhoben und mit soziodemographischen Merkmalen in Bezug gesetzt werden. Die Daten wurden durch das Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich Anfang 2014 ausgewertet. Die Befragung kann zwar das Themengebiet der gegenseitigen Achtsamkeit und Nachbarschaftshilfe nicht komplett abdecken, ermöglicht es aber, erste wichtige Tendenzen aufzuzeigen.

Der Kurzbericht (siehe Box rechts) präsentiert die wichtigsten Ergebnisse der Befragung.

Im „Auftakt“ der Befragung empfehlt es sich, die Aspekte der niederschwelligen informellen Nachbarschaftshilfe (im Sinne von „Das Quartier als Ressource im Alter“), der objektiven wie subjektiv wahrgenommenen Nachbarschaftskontakte und der sozialen Absicherung im Quartier weiter zu vertiefen und mit qualitativen wie quantitativen Daten zu untermauern. Gerade der angesprochene Aspekt der gegenseitigen Achtsamkeit und Wahrnehmung ist für gerontologische Fragestellungen wichtig und erfährt in der Schweizer Forschungslandschaft (vgl. Seifert 2014) noch zu wenig Aufmerksamkeit, obwohl gerade im Kontext eines selbstständigen Wohnens auch im hohen Alter diese Aspekte zentral sein sollten. Diese Forschungsansätze helfen dann auch der Praxis: Beispielsweise im Quartiermanagement-Ansatz, der sozialen Arbeit im Quartier und der Frage, wie zukünftige Wohnüberbauungen konzipiert werden sollten, damit sie „Nachbarschaft“ fördert.

Laufzeit des Projekts:
12/2013 – 04/2014

Kontakt:
Alexander Seifert, alexander.seifert@zfg.uzh.ch