Nachbarschaftlichkeit im Alter – tägliche Raumnutzung und soziale Vernetzung

Wie steht es um Ihre Nachbarschaftlichkeit?

In dieser sozialwissenschaftlichen Studie möchten wir herausfinden, wie ältere Menschen sich in ihrem Alltag bewegen, ihre Nachbarschaft räumlich nutzen und in Kontakt mit Nachbarn treten, und wie intensiv sie Hilfe von den Nachbarn erhalten und Hilfe an Nachbarn geleistet wird. Aus den gesammelten Daten sollen später praxisrelevante Empfehlungen für eine nachhaltige Nachbarschaftshilfe entwickelt werden.

Kontakt: Alexander Seifert

Bild von 2 Nachbarinnen

Urheber: highwaystarz / 123RF Lizenzfreie Bilder

Projekt zur alltagsnahen und mikro-längschnittlichen Messung der Dimensionen: Nachbarschaftsrolle (Person), Nachbarschaftlichkeit (Soziales) und Nachbarschaft (Raum)

Die Nachbarschaft, in der eine Person lebt, kann als räumlicher, aber auch als sozialer Kontext beschrieben werden. In einer Nachbarschaft erfolgt nicht nur eine Auseinandersetzung mit den baulichen Gegebenheiten oder eine Wahrnehmung der symbolischen Aufladung des Quartiers, sondern es ergeben sich auch Interaktionen und ein soziales Handeln mit den Nachbarn. Jede Person lebt in einem solchen räumlich-sozialen Kontext des direkten Wohnumfelds. Wir interagieren nicht nur zwangsweise mit dem Wohnumfeld und der Nachbarschaft, sondern der physische/soziale Raum kann im Idealfall auch als Ressource für die Alltagsbewältigung verstanden werden. Die Wahrnehmung und Bewertung dieser Wirkungen kann sehr individuell ausfallen, weshalb eine individuelle und alltagsnahe Betrachtungsweise wichtig ist. Demzufolge ist es auch sinnvoll, die Beeinflussung der Nachbarschaft täglich im realen Kontext zu beobachten bzw. zu erfassen, um somit die Frage beantworten zu können, inwieweit die Nachbarschaft als Ressource der Alltagsbewältigung im Alter angesehen werden kann. Diese Sichtweise ermöglicht es, einzelne Personen und ihre jeweilige Ressourcenausstattung zu betrachten und herauszustellen, inwieweit Kontexteffekte die Wahrnehmung der Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld und der eigenen Lebensqualität beeinflussen. Daher ist es interessant – und heute durch die mobile Datenerfassung mittels eines Smartphones auch alltagsbezogen möglich (siehe Projekt "MoReLIFE" ) – für eine längere Zeit intervallmässig zu (a) beobachten und (b) zu erfragen, was der jeweiligen älteren Person tatsächlich hilft, ihren Alltag zu bewältigen. Daneben sollen auch die strukturellen Gegebenheiten der untersuchten Quartiere einbezogen werden.

Diagramm Forschungsmodel
Zoom (PNG, 107 KB)

Die Nachbarschaft kann in drei NachbarschaftsEbenen unterteilt werden (siehe Grafik):

a.     Nachbar (neighbour - Person)

b.     Nachbarschaftlichkeit (neighbouring - Soziales)

c.     Nachbarschaft (neighbourhood - Raum)

Das Hauptprojekt beinhaltet eine alltagsnahe Erfassung von subjektiven und objektiven Daten zur Bedeutung der Nachbarschaft bei älteren Menschen in einem mikro-längschnittlichen Ansatz. Zentrale Frage hierbei ist, auf der Individuumsebene, welchen Einfluss die drei Faktoren (Person – Nachbar, Soziales – Nachbarschaftlichkeit, Raum – Nachbarschaft) auf die Lebensqualität im Alter haben. Zudem geht es, auf der strukturellen Ebene, um einen Vergleich zwischen der tatsächlichen Nutzung des physischen und sozialen Raumes und der potenzialen Ausstattung des Quartiers.

Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden im Hauptprojekt (N = ca. 96) Daten von Personen ab 60 Jahren in drei ausgewählten Quartieren erhoben. Zur Datensammlung wird der Ansatz des „Ambulatory Assessement“ verwendet und eine mikro-längschnittliche Datenerhebung (vier Wochen) mittels Smartphones durchgeführt.

Ziel ist es, folgende Forschungsfragen zu beantworten:

  • Welchen Einfluss nimmt das direkte Wohnumfeld (Nachbarschaft) hinsichtlich der Dimensionen Raum, Soziales und Selbst auf die Lebensqualität bei älteren Menschen?
  • Wird das direkte Wohnumfeld (Nachbarschaft) als Ressource für eine Alltagsbewältigung im Alltag wahrgenommen?
  • Inwieweit lassen sich hieraus theoretisch und empirisch ableitbare Prädiktoren bzw. Parameter für ein gelingendes Altern herausarbeiten und in ein Ressourcenmodell überführen?
  • Ist die verwendete Methodik der mobilen Datenerfassung mittels Smartphones bei der spezifischen Befragungszielgruppe praktizierbar bzw. sind die Ergebnisse hieraus valide und für weitere Forschungsfragen anwendbar?

Neben dem Hauptprojekt sind Sekundäranalysen bestehender Daten zu folgenden Themen geplant:

  • Bedeutung des Quartierbezugs für ältere Menschen
  • Nachbarschaftskontakte und -hilfen (Fokus: informelle Hilfen)
  • Nachbarschaftlich soziale Vernetzung in einer urbanen Stadt
  • Emotionale und praktische Unterstützung durch Nachbarn in der Schweiz
  • Nachbarschaftsnutzung und Unterstützung im Quartier in Europa
  • (Technische Assistenzsysteme zur Vernetzung der Nachbarschaftlichkeit)

Laufzeit des Projekts:
10/2015 – 12/2018

Kontakt:
Alexander Seifert, alexander.seifert@zfg.uzh.ch