Angehörige als zentrale Partner in der institutionellen Altersarbeit

Forschungskooperation mit den Pflegezentren der Stadt Zürich (PZZ)

Die Situation alter, pflegebedürftiger Menschen ist ein Problembereich von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Vor dem Hintergrund der Diskus-sion, wer pflegebedürftige alte Menschen betreut und welche Rolle in diesem Kontext die Bereitschaft zu innerfamiliärer Unterstützung spielt, stand in diesem Projekt die Situation der betroffenen Angehörigen im Vordergrund. Studien zu Hilfe und Unterstützung der älteren Personen zeigen, dass familiale Unterstützung weiterhin häufig gewährleistet ist und der Kontakt auch dann nicht abbricht, wenn ein Eintritt in eine Pflegeinstitution unumgänglich geworden ist. Somit wird eine enge Koordination und Kooperation zwischen den familialen und professionellen Pflegeleistungen zunehmend wichtiger, und Angehörigenarbeit wird in Pflegeinstitutionen ein immer zentraleres Thema.

Das nun abgeschlossene Pilotprojekt wurde von Oktober 2003 bis Dezember 2005 in Kooperation zwischen den Pflegezentren der Stadt Zürich und der Psychologischen Beratungsstelle LiA, Leben im Alter, am Zentrum für Gerontologie durchgeführt. Es handelt sich dabei um die Erarbeitung, Umsetzung und empirische Überprüfung eines ganzheitlichen Konzepts zur Angehörigenarbeit.

Mit einer interdisziplinär zusammengesetzten Projektgruppe wurde innerhalb von drei Monaten ein solches Konzept erarbeitet. In der Folge wurden die erarbeiteten Massnahmen und Angebote in die Praxis umgesetzt und im Betrieb eingeführt. Durch Befragungen der Projektgruppe, der Mitarbeitenden und auch der Angehörigen vor und nach der Umsetzung wurden die Machbarkeit, die Akzeptanz und die Wirkung des Projekts überprüft. Unmittelbar vor und nach der schritt-weisen Einführung und Umsetzung der geplanten Massnahmen erfolgten die Datenerhebungen.

Die Ergebnisse zeigen, dass es möglich war, innerhalb knapp begrenzter Zeit ein solches Konzept zu erarbeiten und dieses auch in die Praxis umzusetzen. Der Vergleich der Aussagen von Angehörigen zu zwei Messzeitpunkten liess im Bereich der Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen und im Kontakt zum ärztlichen Dienst positive Veränderungen erkennen. Auf Seiten der Mitarbeitenden gewann die Angehörigenarbeit an Wichtigkeit. Das Wissen der Mitarbeitenden über Angehörige und die Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft nahm zu, gleichzeitig nahm die Häufigkeit von belastenden Situationen mit Angehörigen und das Belastungserleben ab. Die Beurteilung des Angebots durch die Angehörigen lässt erkennen, dass sie gut darüber informiert sind und dass alle Angebote, wenn auch in unterschiedlichem Masse, genutzt werden. Alle Angebote werden von über 60% der Befragten als sehr sinnvoll bis sinnvoll eingestuft. Mehr als 75% bewerteten die Nutzung als teilweise hilfreich bis sehr hilfreich. Ebenso positiv wurden die Angebote von den Mitarbeitenden bewertet.

Zusammenfassend kann das Pilotprojekt als erfolgreich bezeichnet werden. Für die Generalisierung und die Übernahme des Projekts in anderen Pflegeinstitutionen sollte allerdings bedacht werden, dass der Erfolg nicht einfach durch den Einsatz der erarbeiteten Hilfsmittel gewährleistet ist, sondern dass die vertiefte Auseinandersetzung in Schulungen, Beratungen und Begleitung der Umsetzung von grosser Wichtigkeit sind.

Kontakt: Dr. phil. Bettina Ugolini, Diplompsychologin
bettina.ugolini@zfg.uzh.ch