Best Practice Gesundheitsförderung im Alter

«Beratung, Veranstaltungen und Kurse»:Entwicklung von Best Practice-Kriterien und Empfehlungen

Die Alterung der Gesellschaft bedeutet für die Gesundheitsförderung und Prävention eine neue Herausforderung. Der Erhalt der Gesundheit bis ins hohe Alter gewinnt für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft und die Politik an Bedeutung. Gesundheitsförderung und Prävention sind wichtige Wege zur Förderung eines selbständigen Lebens und zur Erhaltung oder Erhöhung des Wohlbefindens und der Lebensqualität im Alter.

Im Rahmen des interkantonalen Projekts «Best Practice Gesundheitsförderung im Alter» stellte das ZfG für die Interventionsbereiche «Beratung» sowie «Veranstaltungen und Kurse» Best Practice-Kriterien und Handlungsempfehlungen zusammen. Das Best Practice-Konzept sowie die daraus abgeleiteten Handlungsleitlinien und Handlungsempfehlungen sollen dazu dienen, EntscheidungsträgerInnen und Fachleute der Gesundheitsförderung und Prävention in ihrer Arbeit zu unterstützen. Insbesondere ist es die Absicht eines solchen Konzeptes im fachlichen Diskurs, d.h. in der Evidenzdebatte, Stellung zu beziehen und einen klaren fachlichen Standard schweizweit zu etablieren.

Das Konzept beruht auf dem Kompetenzmodell des Alterns, das sowohl Stärken als auch Schwächen alter Menschen berücksichtigt. Ratsuchende im Alter sind handelnde Subjekte, die in ihren Fähigkeiten und Ressourcen gestärkt und deren Möglichkeiten zur Selbsthilfe gefördert werden sollen. Als Grundlage ist festzuhalten, dass:

  • Gesundheit im Alter sehr umfassend zu verstehen ist und sowohl physische, psychische und auch soziale Dimensionen umfasst,
  • der Lebensphase Alter ein beachtliches Potenzial an gesundheitsfördernden und präventiven Interventionsmöglichkeiten prognostiziert wird, das noch kaum ausgeschöpft wird,
  • Gesundheitsförderung und Prävention im Alter nicht als Gegensätze zu begreifen sind, sondern als einander ergänzende Herangehensweisen, um gesundheitsförderliche Ressourcen zu stärken und gesundheitliche Belastungen zu mindern. Beide verfolgen das Ziel, die gesunden Lebensjahre zu verlängern, die Pflegebedürftigkeit hinauszuschieben und damit die Selbständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter zu erhalten.
  • die Angebote für alle älteren Menschen unabhängig von möglichen Beeinträchtigungen oder Hindernissen erreichbar sein beziehungsweise entsprechende Angebote entwickelt werden müssen.

Auf grundlegenden Erkenntnissen der Gesundheitsförderung und Prävention und der Gerontologie wurden einerseits Prinzipien erarbeitet, die bei der Konzipierung von Beratungen, Veranstaltungen und Kursen reflektiert und berücksichtigt werden sollten (z.B. Partizipation, Setting/Lebensstil, Kooperation/Vernetzung, Altersbild). Andererseits wurden Kriterien erarbeitet, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischem Erfahrungswissen beruhen.

Die Gestaltung von Beratungs-, Veranstaltungs- und Kursangeboten zu gesundheitsfördernden Massnahmen im Alter kann in die Phasen Planung und Entwicklung, Durchführung/Umsetzung und Kontrolle/Evaluation unterteilt werden. Aus jeder dieser Phasen ergeben sich unterschiedliche Kriterien, die jeweils zu beachten sind. Von den erarbeiteten Kriterien wurden für die Interventionsbereiche Beratung, Veranstaltungen und Kurse konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet.

Darüber hinaus wurde eine Angebotsstruktur entwickelt, welche die vier Strategien der Gesundheitskommunikation Gesundheitsaufklärung, Gesundheitsbildung und die Gesundheitsberatung (allgemein und themenspezifisch) abbildet. Mit dieser Struktur ist ein Instrument entstanden, welches einerseits Übersicht über die unterschiedlichen Anforderungen an die verschiedenen Angebotsformen und ihre Einsatzmöglichkeiten verschafft. Mit diesem Instrument wird es andererseits möglich, Abgrenzungen zwischen den Strategien zu diskutieren, Prozesse in den einzelnen Strategien und zwischen den Strategien zu beschreiben und zu definieren, unterschiedliche Rahmenbedingungen und Kriterien für die Einbindung bestehender Angebote festzusetzen. Weiter kann dieses Instrument auch dazu benutzt werden, die bestehenden Angebote in einer bestimmten Region abzubilden, um Versorgungslücken sichtbar zu machen oder um den Einzugskreis für die einzelnen Felder festzulegen.

Folgt man weiter den Erkenntnissen aus der Gesundheitsförderung und Prävention, dann sind Massnahmen für das Alter dann besonders wirkungsvoll, wenn sie in eine Gesamtstrategie eingebettet sind. Eine solche Strategie kann darin bestehen, die vorhandenen Angebote und Akteure der verschiedenen Strategien durch eine zu bestimmende Koordinationsstelle aktiv miteinander in Beziehung zu bringen, aufeinander auszurichten und mit fundierten, grundlegenden Informationen zu versorgen.

Laufzeit des Projekts: 5/2010 – 12/2010

Kontakt:
Dr. Myriam Dellenbach
Silvia Angst Fuchs, silvia.angst@zfg.uzh.ch