Einstellungen zu Demenz

Übersetzung und Validierung eines Instruments zur Messung von Einstellungen gegenüber Demenz und demenzkranken Menschen

Menschen mit Demenz und ihre Familien sind ganz grundsätzlich und direkt von Einstellungen und Vorurteilen gegenüber Demenz ‚betroffen’: Diese Einstellungen bestimmen mit, wie ihnen begegnet wird, was ihnen zugetraut wird und was nicht, oder welche Formen von Unterstützung als hilfreich, nötig oder finanzierungswürdig betrachtet werden. Für die schweizerischen Sprachräume liegt bisher kein wissenschaftlich abgesichertes Instrument vor, mit welchem Einstellungen und Vorurteile gegenüber Demenz bzw. Demenzkranken gemessen werden könnten. Das vorliegende Forschungsprojekt hatte deshalb zum Ziel, die englischsprachige Dementia Attitudes Scale (O’Connor & McFadden, 2010) für die schweizerischen Sprachräume (deutsch, französisch, italienisch) zu adaptieren und in der Anwendung zu pilotieren.

Mit dem Begriff Einstellung wird in der sozialwissenschaftlichen Forschung die Haltung einer Person gegenüber einer anderen Person, einem Objekt oder einem Ereignis bezeichnet. Einstellungen haben emotionale, kognitive und verhaltensbezogene Komponenten und beeinflussen unsere Wahrnehmung und Bewertung einer Situation und unsere Reaktion darauf. Einstellungen sagen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit voraus, wie sich Menschen gegenüber anderen Menschen oder Ereignissen verhalten. Sie sind aber durch gezielte Massnahmen in emotionaler, kognitiver und verhaltensmässiger Hinsicht beeinfluss- und veränderbar, was in der Praxis beispielsweise mittels Informations- und Sensibilisierungskampagnen angestrebt wird.

Diese Forschungsarbeit entwickelte ein Instrument, das in der Schweiz Einstellungen gegenüber Demenz und Menschen mit Demenz messen kann. Mit diesem Instrument lassen sich zukünftig Erkenntnisse darüber gewinnen, inwieweit in der Bevölkerung oder bei speziellen Berufsgruppen problematische oder auch positive Einstellungen gegenüber Demenz und Demenzbetroffenen verbreitet sind und welche Einstellungskomponenten dies betrifft. Beispielsweise könnte eine Gruppe von Personen eher mehr Information und Aufklärung benötigen, während eine andere Gruppe zur Veränderung und Differenzierung ihrer Einstellung eher Gelegenheiten bräuchte, über den direkten Kontakt mit Betroffenen Ängste abzubauen. Mit diesem Wissen liessen sich Kampagnen und Interventionen gezielter und effektiver massschneidern. Darüber hinaus bietet das Messinstrument für die Praxis wie für die Forschung künftig auch die Möglichkeit, Veränderungen in den Einstellungen gegenüber Demenz und Demenzkranken zu erfassen, etwa in Abhängigkeit von Sensibilisierungs- und Informationskampagnen, von Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten oder von Bestrebungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung des Gesundheitspersonals.

Die für die Schweiz angepassten Versionen der Dementia Attitudes Scale in deutscher, französischer und italienischer Sprache können bei der Projektleitung bezogen werden.

Das Projekt wurde vom Forschungsfonds der schweizerischen Alzheimervereinigung und von der Paulie und Fridolin Düblin Stiftung unterstützt.

Laufzeit des Projekts: 06/2011 – 12/2011

Kontakt:
Caroline Moor
Aristide Peng
Hans Rudolf Schelling, h.r.schelling@zfg.uzh.ch